giant
Sonntag, 31. Juli 2016

Grundsätzlich wollte ich mich zu diesem Thema nicht mehr äußern ....

.... und doch finde ich mich wieder dabei genau das zu tun. Lassen Sie mich mit einem Zitat beginnen:

.. Die Berichterstattung verstärkt allzuoft Panik und Angst, was im Falle des Attentats von München besonders deutlich wurde. Und sie vermittelt auch jetzt den Eindruck, als sei es gerade besonders unsicher in Deutschland zu leben. Obwohl das Gegenteil der Fall ist. .. Diese Ängste der Menschen stehen in einem geradezu absurden Missverhältnis zu den tatsächlichen Risiken für den Einzelnen.
Obwohl es also keine Zeit in der Geschichte gab, in der man so sicher in Mitteleuropa leben konnte wie jetzt, nehmen die Ängste der Menschen immer stärker zu. Man fühlt sich bedroht von Terrorismus, Amokläufern und Flüchtlingen, die angeblich so viele Straftaten begehen ..
[Quelle]

Was mich in meinem eigenen Umfeld traurig stimmt ist die Unfähigkeit Wahrheit und Lüge auseinander zu halten. Vernunft walten zu lassen und sich von Fakten, Plausibilität, nicht Gerüchten, leiten zu lassen bevor eine Meinung gebildet wird. Genau diese Angst und Verunsicherung von denen Stadler spricht erlebe ich in den Gesprächen der letzten Tage und Wochen. Es wird geglaubt was an Gerüchten bei facebook, hier stellvertretend für die sogenannten "sozialen Medien genannt, oder in irgendwelchen drittklassigen Anzeigenblättchen steht die Alles abschreiben was Zeilen füllt - weil sooo viele Menschen ja nicht lügen können, ganz im Gegenteil zur Lügenpresse, wo Wenige, angeblich gesteuert, die Unwahrheit verbreiten.

Nun ist die Presse insgesamt selbst Schuld an diesem Verdacht, hat es doch zu viele Beispiele gerade im letzten Jahrzehnt gegeben, bei denen der staunenden Öffentlichkeit etwas vermittelt wurde was sich später als Ente herausgestellt hat. Grundsäzlich jedoch gibt es bei uns keinen Zweifel an dem Wahrheitswillen der Medien - lediglich die Qualität der Verfolgung dieses hehren Zieles läßt manchmal zu wünschen übrig.

Es wird mir beispielsweise immer vorgehalten wir lebten hier, in einer nordwestfälischen Kleinstadt, auf einer "Insel der Seligen" was Kriminalität insgesamt, im Vergleich zu Gewaltverbrechen und Eigentumsdelikten in ghettoähnlichen Bereichen der Großstädte, oder Übergriffe bzw. Straftaten von Ausländern andernorts, angeht.

Was diese 'Überzeugten' - durch Fälle in ihrer Umgebung alarmiert und schockiert - völlig vergessen ist, dass Statistik nicht nach einzelnen Bereichen fragt, sondern ein Gesamtbild, einen Überblick zeichnet. Da mag es einen oder mehrere Schwerpunkte an Kriminalität irgendwo im Lande geben. Das ändert dennoch nichts an der statistischen Aussage es gäbe weniger Kriminalität in Deutschland als vor zehn Jahren:
Zwar kann punktuell die Kriminalität hoch sein, in der Breite muß dem aus mathematischen Gründen ein Rückgang entgegen stehen!

Dazu bedarf es allerdings zweierlei Fertigkeiten:
Erstens muß man ein wenig Mathematik verstehen, und zweitens muß man zur Abstraktion in der Lage sein, d.h. sich von der punktuellen Betrachtung lösen und eine generelle Sicht einnehmen.

Die Überlegung warum die Darstellung des Herrn Stadler dennoch stimmt ist einfach. Zwei Drittel der Bevölkerung glauben lieber eine bequeme Lüge als eine unbequeme Wahrheit. Das entspricht in etwa dem Anteil der Menschen die irrational, aus dem Bauch heraus, 'denken'(?) und handeln.

Ohne Selbstmitleid sitze ich dann und grüble über Don Quixote [Don Quijote] und Michael Kohlhaas, um schließlich bei Götz v. Berlichingen zu landen ....

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